so jetzt lehn ich mich mal neoliberal aus dem fenster. komm auch aus ner schwerkapitalistischen familie deshalb kann ich mir auch leisten dieses blog gratis anzubieten und muss euch nicht auf die nerven gehen mit irgendwelche mitleidserregenden spendenbuttons.

es gibt leute die haben sich einen gewissen lebensstil ausgesucht. ich hab mir – trotz ideologischer inkompatibilität weil ich mal als jugendlicher zu viele sachbücher gelesen habe – den westlich kapitalistischen ausgesucht. ich hätte ja auch kommunist oder was mir noch lieber wäre anarchosyndikalistisch sozialisiert worden sein. aber nein: der kapitalismus ist wie ich grossgezogen wurde und was ich versteh. der rest ist mir zu kompliziert.

angesichts der krise und anhaltender sozialer unruhe in unserem land zeichnet sich eines ganz dramatisch ab: wir sind auf dem weg in einen zustand wo sich jeder selbst der nächste ist. beziehungen funktionieren nicht mehr, jeder mensch in meinem umfeld wird mir zur last. jedenfalls wenn er/sie sich nicht einbringt sondern glaubt, dass ihre/seine anwesenheit ausreicht um eine entscheidende verbesserung in unser aller leben zu bringen.

zu aller erst: ich hab mir das nicht ausgesucht, bin kein verfechter der linie. ich verhalte mich nur dementsprechend weil mir auch keiner hilft. deshalb hab ich volles recht asozial zu sein, ich brauch euch eigentlich gar nicht – bis auf ein paar individuen ohne die ich nicht leben will.

ich hab mir auch noch nie arbeitslosenhilfe oder sozialzuschüsse geholt. lediglich mein zweites studium wurde aufgrund eines stipendiums finanziert, das ich mir nach 5 jahren armeedienst inklusive zig überstunden meinermeinung nach verdient habe. davon kann man halten was man will jedenfalls geht der staat davon aus, dass es mir zusteht.

okay du sagst jetzt über mich: was für ein ego-arschloch. du bist sicher ein solcher der schickt bettler weg weil sie übel riechen, haben noch nie einen augustin gekauft und wahrscheinlich kaufst du dir auch ubahntickets. weil du so uncool bist.

mir gehts gut in diesem system. ich kann echt nicht klagen. ich steh in der früh auf, pack meine sachen und mach sport. das meistens um 7 uhr morgens, damit ich um 9 uhr schon arbeiten kann. die zeit meiner jugend hab ich nicht mit drogen und alkohol verschossen sondern habe ausbildungen gemacht und lustige sachen gemacht wie computer untereinander verbunden damit sie daten austauschen können. damals war ich 12.

und ich hatte zig freunde, verwandte und sonstiges zeug um mich die meinten: wieso machst du nicht was ordentliches? wieso bist du die ganze zeit in deinem zimmer und schraubst an deinen rechnern rum. und mal ganz ehrlich: fein, dass du email hast aber wer soll dir da ne antwort schreiben ausser die universität von berkeley.

die komischen kabel wurden zum internet, ich selber zum konsulenten und heute verdiene ich meine kohle damit verstaubten dinosauriern in management etagen die welt zu erklären. dafür gibt es gutes geld.

klar, ich wäre in meiner jugend auch gern länger draussen an der freien natur abgehangen. hätt mich lieber besoffen und mit horden von blonden mädels gruppensex gehabt.

dann wär ich aber nicht wo ich jetzt bin. das problem das wir hier haben ist also kein ethnisches sondern ein ausbildungs und disziplin problem. wenn ich an manchen lebensweichen entscheidungen treffe in welche richtung ich mich entwickeln möchte, dann werd ich wohl irgendwann einmal einen nachteil erleiden. ja, das leben ist hart. sorry.

und mir kommt vor es wird in zukunft noch ein bisl härter. spätestens wenn ich alt und gebrechlich bin wirds dann mich auch erwischen. bis dahin versuch ich mich mit sport soweit fit zu halten und hoffe auf ein ende im vollbesitz meiner geistigen und körperlichen fähigkeiten.